Sprechen vom Nicht
Der “Fall Rechnitz” als Virtual Reality Ausstellung

Ende des Zweiten Weltkriegs, südliches Burgenland: Ein Massaker an ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern. Die Zeugen der Verbrechen sind beinahe alle verstorben. Zeitgleich tauchen neue Formen der Kommunikation auf, neue Umgangsformen mit großen Themen wie Leiden und Erinnerung, die am “Fall Rechnitz” exemplarisch untersucht werden. Die Reflektion über Grundthemen, aber auch über Details zum eigentlichen Gerichtsfall - dem Mord an Zwangsarbeitern - bilden die Grundstimmung für das Projekt “Sprechen vom Nicht”. Wie viel ist wirklich dran, am Sprechen über das Schweigen und am Schweigen über das Geschehene?

Interviews mit Dorfbewohner_innen, dem Bürgermeister, Vertreter der Landesregierung, Historiker_innen, Forscher_innen, Archäolog_innen werden für eine Ausstellung in einen gemeinsamen Raum dem/der Besucher_in vorgestellt; mehr noch: diese können ihre eigene Recherche im vorgegebenen Kontext “spielend” beginnen. Sprechen vom Nicht ist aber mehr als nur Spiel, es ist die Erinnerung, oder das, was davon übrig bleibt, das, was aufs neue erinnert wird.

ENGELBERT
KENYERI

Engelbert Kenyeri ist Bürgermeister von Rechnitz, und löste 2007 den vor ihm amtierenden Bürgermeister Josef Saly ab. Kenyeri ist u.a. Obmann des Vereins „Naturpark Geschriebenstein“.

RAINER
POSSERT

Dr. Rainer Possert ist Arzt und Psychoanalytiker im Sozialmedizinischem Zentrum Graz. Er leitet unter anderem ein Atelier für Fotokunst, setzt sich mit Zeitgeschichte und der Geschichte der Zwangsarbeiter in Graz – Bezirk Liebenau auseinander.

PAUL
GULDA

Paul Gulda ist Komponist und Pianist, seit 1991 mit der Gründung von RE.F.U.G.I.U.S. als Vereinsvorstands-Vorsitzender in der Gedenkkultur tätig. Gemeinsam mit der Gemeinde Rechnitz u.a. die Planung und Durchführung der Gedenkveranstaltung. RE.F.U.G.I.U.S errichtete 2013 ein Freilichtmuseum in der Nähe des Kreuzstadls.

ELEONORE
LAPPIN-EPPEL

Dr. Lappin-Eppel legte unter anderem das Buch „Ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Österreich 1944/45“, vor, welches die Zustände der Zwangsarbeiter_innen in Österreich schildert. Gräuel und systematische Ermordungen durchziehen diesen Themenkomplex ebenso, wie die Todesmärsche Österreich durch Österreich gezogen sind.

EVA
SCHWARZMAYER

Als gebürtige Rechnitzerin setzte sich Mag.a Eva Schwarzmayer intensiv mit der Geschichte des eigenen Ortes auseinander, und veröffentlichte im Jahr 2000 das Buch „Rechnitzer Geschichten“. Durch Interviews mit Zeitzeugen entsteht ein Gefühl dafür, wie die Zeit während und nach dem Krieg zu erleben war. Eva Schwarzmayer ist Schriftführerin im Verein RE.F.U.G.I.U.S, und konzeptionierte einen Gedenkweg, der das jüdische Leben in Rechnitz beschreibt.

ERIK
VOGT

EDUARD
ERNE

Eduard Erne ist im Zusammenhang mit Rechnitz bekannt für den Dokumentarfilm „Totschweigen“, den er gemeinsam mit Margareta Heinrich in Rechnitz gefilmt hat. Der Film wurde 1994 veröffentlicht. Er dokumentiert das Dorfleben, das Sprechen über die Ereignisse im März 1945 - zentrales Motiv ist der Kreuzstadl, sowie die massenhafte Erschiessung ungarisch-jüdischer Zwangsarbeiter gegen Kriegsende, und welche Erzählungen es darüber noch gibt.

GERHARD
ENTFELLNER

Gerhard Entfellner, lange Zeit in Rechnitz wohnhaft, hat sich im Laufe der Jahre einem akribischen Aktenstudium gewidmet, durch welches er Unstimmigkeiten in den Aussagen der Volksgerichtsprozesse aufzeigen möchte, und auch die Gründe darlegen, weshalb die Aufarbeitung, sowie die Grabfindung, noch nicht abgeschlossen werden konnte.


WALTER
REISS

Walter Reiss ist Redakteur für den ORF-Burgenland. Neben Tätigkeiten für den Gedenkverein RE.F.U.G.I.U.S ist Walter Reiss auch als Vortragender und Journalist tätig. Er erhielt 2013 den Ehrenpreis des burgenländischen Umweltpreises.

DIETER
SZORGER

Mag. Dieter Szorger ist Referatsleiter in der Landesregierung Eisenstadt. Die Themengebiete sind Wissenschaft und Kultur, und hier unter anderem auch die Förderung und Betreuung wissenschaftlicher Projekte und Publikationen. Auch als Anlaufstelle für Gedenkarbeit, Ausstellungen und Kooperationen mit Vereinen ist Dieter Szorger teil einer aktiven Gedenkkultur in Burgenland.

GREGOR
HOLZINGER

RONNY
WESSLING

Ronny Weßling ist Archäologe, und war an den Grabungen in Rechnitz im Jahr 2014 beteiligt. Mittels genauer und systematischer Erfassung der Zeitzeugenberichte, Gerichtsaussagen und moderner geologischen Suchmethoden ist eine Intensivierung der Grabsuche angedacht. Andere Forschungsgebiete sind: u.a. 3D Scan, prähistorische Pfahlbauten, historische Archäologie.